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Southside 2007

Nils Werner 25. Jun 2007

Und wiedereinmal geht ein spassiges und anstrengendes Southside-Wochenende zuende.
Leider war das Wetter nicht so bombig wie letztes Jahr, wurde dafür mehr als ausgeglichen durch phänomenale Bands wie Mogwai, Porcupine Tree, Isis, Sonic Youth, Incubus, Placebo, Beastie Boys, The Editors und zudem auf der Zeltbühne mit Aereogramme, Mute Math, The Blood Brothers und Deichkind... wenn, ja wenn... die Zeltbühne überhaupt aufgebaut gewesen wäre!
Denn schon bei den Aufbauarbeiten gab es ein schweres Unwetter mit einem tragischen Unfall: Ein Sanitäter der Johaniter wurde von einem herabfallenden Trägerteil der Zeltbühne getroffen und ist noch am gleichen Tag im Krankenhaus gestorben.

Unwetter

Zwar ein wenig von den Wettervorhersagen und den "bitte erst Morgen anreisen"-Ratschlägen verunsichert machten wir uns jedoch klar, dass bereits alles auf den Donnerstag hin geplant war und ein Verschieben auf Freitag nur viel Stress und Rennerei (und wahrscheinlich einen schlechten Campingplatz) bescheren würde. Also schlugen wir alle Warnungen in den (stürmischen) Wind und fuhren bei strömenden Regen los. Bereits 100km weiter tat sich der Himmel auf und nur noch einzelne, dicke Schäfchenwolken versperrten die Sicht auf einen sonst strahlend blauen Himmel.

Auf der Höhe von Stuttgart wurden wir dann von Christians Vater angerufen, der zufällig in derselben Region unterwegs war und im Radio von dem (uns bis dahin unbekannten) Unfall gehört hatte. Ein bischen ratlos machten wir ersteinmal eine Pause um uns von den Daheimgebliebenen via Telefon die Neuigkeiten der Southside-Website vorlesen zu lassen: Es werde an Optionen für die Zeltbühne gearbeitet, man soll aber auf jeden Fall seine Anreise auf Freitag verschieben. Kurze Zeit später hieß es, dass es am Donnerstag kein Einlass auf den Campingplatz gäbe. Wieder kurze Zeit später wurde der Campingplatz jedoch aufgrund des großen Andrangs wieder geöffnet...
Entweder wusste die linke Hand nicht, wass die Rechte tut oder die Organisation hatte vergessen dass wie jedes Jahr mindestens 20.000 Besucher bereits am Donnerstag anreisen werden...

Nachdem wir einige andere Southside-Pilgerer angesprochen und alle die Warnungen in den Wind geschlagen hatten, schlossen wir uns dem weiterhin munter dahinreisenden Strom an und fuhren weiter in Richtung Neuhausen ob Eck.

Dort angekommen, herrschte immernoch strahlend blauer Himmel und Sonnenschein, jedoch zeigte der Boden Spuren von den vorherigen Wetterverhältnissen in Form von tiefen, matschigen Trampelpfaden.
Dieser Matsch war es auch, der unsere eigentlich sehr geniale Rollbrett/Tisch-Konstruktion fast in die Knie zwang: Stefan kam auf die Idee, ein passend auf den Kofferraum unseres Kombis zurechtgeschnittene Platte vor Ort mit Rollen zu versehen und uns somit den Transport unserers Gepäcks zu erleichtern; da wir jedoch nur mit 10cm-Gummi-Rollen und nicht mit grobstolligen Geländereifen ausgestattet waren, gestaltete sich zumindest ein Teil des Transport als sehr kräftezehrend. Jedoch endlich auf der Landebahn angekommen war es nur noch ein "Katzensprung" bis zum Zeltplatz, auf dem dann gleich vier IKEA-Tischbeine an der Platte montiert wurden, und somit ein feiner Tisch hervorgezaubert wurde.

Trockeneiskühlung

Aber der Tisch war nicht die einzige geniale Idee, die wir für dieses Jahr in Petto hatten. Angeekelt vom brühwarmen Bier letztes Jahr habe ich mich am Tag der Abreise aufgerafft und versucht einen Trockeneis-Hersteller in Nürnberg zu finden. Und tatsächlich, nach einer handvoll Anrufen bei Metro, Handelshof, OMV und Nestlé kam ich raus bei

KSD Kohlensäure
Ingolstädter Straße 29
Nürnberg
0911/437423

Dort kauften wir für 15 EUR etwa 12Kg Trockeneis -- in hand(schuh)liche 2Kg-Scheiben geschnitten und in Styroporboxen verpackt -- das auf der Hinfahrt sogar unseren Whiskey und den Gin gefrieren ließ und das ganze Wochenende lang unser Bier und unser Fleisch in der Kühlbox kühl hielt.

Der Trick dabei, um auch für das gesamte Wochenende kühle Getränke zu haben, ist, nicht alles Trockeneis in die größe Kühlbox zu schmeißen und das zu kühlende Gut für ein paar Minuten schock zu kühlen, sondern das Eis nur häppchenweise aus der viel kleineren Trockeneis-Kühlbox in die Essens-Kühlbox umzulagern. Dadurch erreicht man (geschätzte) knappe Minusgrade und hat nach ein paar Stunden Warten immer ein kühles Fass Bier. Da man jedoch 2-3 Fässer auf einmal kühlt, sollte es auch da keinen Engpass geben. Auch muss man sich etwas bemühen, das Trockeneis an den Securities am Eingangsbereich vorbeizubekommen. Also entweder selber über unter den Doppelzaun kriechen oder warten, bis jemand anderes sein Gepäck auf diese Weise ins Gelände bringt. :-)

Etwas chaotische Organistation

Am Freitag, dem ersten Tag des eigentlichen Festivals, fing der Tag dann jedoch sofort mit einer bösen Überraschung an: strömender Regen und starker Wind zwangen unseren Regen/Sonnenschutz in die Knie und verbogen unseren Pavillion.
Zu allem Überfluss wurde uns zu dieser Zeit auch noch mitgeteilt, dass die Zeltbühne unbespielbar sei und somit sämtliche geplanten Bands auf selbiger ausfallen würden. Irgendwann zu Beginn der interessanten Bands bewegten wir uns dann doch mit, trotz dass sich das Sauwetter verzogen hatte, tierisch schlechter Laune gen Konzertbereich und nicht, wie es von der Organisation angeboten wurde, bis 20 Uhr nach Hause um das Geld zurück zu erhalten.

Insgesamt sollten sich das ganze Wochenende über organisatorische oder technische Fehlgriffe kenntlich zeigen: Der Eingang zum Konzertbereich wurde dieses Jahr etwa 30m neben die Landebahn - mitten in den Matsch - verlegt. Das Duracell-Zelt, in dem man kostenlos leere Batterien gegen neue austauschen kann, wurde aus Angst vor dem Sturm nicht nur nicht am Donnerstag errichtet, sondern erschien auch nicht an den folgenden sonnigen Tagen (deswegen gibt es keine Bilder, meine Batterien waren leer). Die Flyer wurden nicht angepasst (hier hätte es ein kleiner Papierschnipsel in den Heften getan), keiner wusste, was nun mit dem restlichen Lineup passiert; ob man versuchen würde, ein paar Bands der Zeltbühne auf die großen Bühnen zu bekommen. Die Anlagen der beiden Bühnen waren teilweise viel zu leise und Aufgrund des großen Andrangs auf die großen Bühnen mussten Besucher an den Seiten der Bühnen stehen und konnten wegen der zentral ausgerichteten Hochtöner kein Wort von der Bühne verstehen.

Nachdem das letztes Jahr nach dem Sturm schon so im Chaos geendet hatte, zeigte sich auch dieses Jahr, dass man einfach irgendwie nicht für alle Situationen gewappnet war.

Natürlich gibt es auch positive Dinge zu sagen: Die zwei extra-Wellenbrecher vor den Bühnen erwiesen sich als sehr komfortabel, endlich gingen auch am Montag morgen noch die Wasserhähne und wiedereinmal bekam man seinen Müllpfand auch ohne Müllsack ;-)

Abgesehen von den technischen Mägeln, war das diesjährige (Rest-)Angebot an Bands natürlich super: ein niedlicher "who of you guys do know us anyway?" und "we tend to write lengthy songs so please be patient"-Steven Wilson von Porcupine Tree, ohrenbetäubend laute, wie immer wortkarge Mogwai-Jungs und extrem verrückte und spaßige Beastie Boys. Um nur einige zu nennen, versteht sich.

Ein musikalisch rundum gelungenes Wochenende, allein die Organisation sollte anfangen, sich schon im Vorneherein mal richtig an den Kopf fassen und bei allem nochmal etwas genauer hinsehen.

Quellen

Labels: Gadgets, Musik, Urlaub
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