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Portishead in München

Nils Werner 03. Apr 2008

Gestern Abend war es soweit, Portishead traten in der Tonhalle in München auf.

Nach etwa 2 Stunden Autofahrt (15 Minuten Herumirren inklusive) kamen wir vor den Kultfrabrik in München an und schlossen uns dem Strom der herandrängenden Besucher an. In der Tonhalle die erste Enttäuschung: Das Konzert schien größer zu werden als erhofft. Die Tonhalle wirkte (vor allem im Licht während der Umbaupause) mehr wie ein gut gefülltes Bierzelt denn wie eine Konzerthalle oder ein Club.

Da uns eh die Bierpreise zu hoch und die Schlange vor den Bars zu lang waren, versuchten wir schon während der Vorband "Kling Klang" uns einen guten Platz weiter vorne zu ergattern.

Die letzten 15-20 Minuten von "Kling Klang" waren enttäuschend: Die Band klingt Live noch langweiliger als auf Platte. Immer die gleichen Klangwände, immer lauter werdend. Während es z.B. Mogwai und Explosions in the Sky (um mal zwei weitere instrumentale Bands, obgleich eines anderen Genres zu nennen) sehr gut hinbekommen, ohne Gesang zu begeistern, klappt das bei Kling Klang einfach nicht. Jeder weitere Song klingt wie einer der vorgehenden.

Und nach der Umbaupause endlich Portishead. Nach über 10 Jahren Pause wieder live in Deutschland. Mit einer schicken visuellen Untermalung legte man sofort los mit dem ersten Song des neuen Albums: Silence. Erstaunlich viele im Publikum waren auf das aprupte Ende des Songs vorbereitet -- die Leaks im Internet scheinen weiterhin gesund zu kursieren.

Von der ersten Silbe an konnte Beth Gibbons ihren wunderschönen Gänsehaut-Gesang unter Beweis stellen: vom zarten "Wandering Stars" bis zum fast geschrienen Ende von "Threads".
Ein einziges mal verließ sie ihre Stimme, worauf sie gleichzeitig lachend, leise schimpfend und sich selbst ohrfeigend die Bühne auf und ab stapfte.

Überhaupt war die gesamte Band ein sehr sympathischer Haufen Musiker, die perfekt mit ihren (man möchte schon fast sagen "Oldschool"-) Instrumenten umzugehen wussten: In jedem Stück gab es eine unglaubliche Fülle an Details und Facetten die es galt zu entdecken.
Die gesamte Machart der Musik ist dabei merklich ins elektronische gerutscht: Während früher z.B. einzelne Beats von Platte kamen werden Spezialeffekte jetzt auf einem Samplingpad gespielt.

Inklusive Zugabe spielte die Band knapp zwei Stunden lang acht Songs vom neuen und neun Songs von den alten Alben. Zugegeben, dabei schienen die alten Stücke beim Publikum besser anzukommen als die neuen.

Einzig die Visual-Arts haben nicht immer meinem Geschmack entsprochen: Dieser 80er-Jahre "unsaubere Überblendeffekt" sowie diese "fließenden Kaskaden" sind einfach nicht mehr schön anzusehen. Stattdessen hätte man einfach auf den drei Projektoren abwechselnd und in wechselnder Kombination die einzelnen Bühnenkameras darstellen sollen.

Am Ende des Konzerts war klar: Die knapp 40 EUR haben sich, trotz etwas enttäuschender Venue, sehr gelohnt. Sehr sehr gelont. Genial!

Setlist

Silence, Hunter, Mysterons, The Rip, Glory Box, Numb, Magic Doors, Wandering Star, Machine Gun, Over, Sour Times, Only You, Nylon Smile, Cowboys. Zugabe: Threads, Roads, We Carry On.

Quellen

Labels: Musik
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Kommentare

es trifft.

Kommentar von: olli olsen | 03. Apr 2008

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